Antwerpen (B) | Liebfrauenkathedrale

Bilder von der Arbeit im Gange (Facebook)

 

Die Orgel der Kathedrale von Antwerpen (IV/90, 1891) ist das größte jemals gebaute Instrument aus der Werkstatt von Pierre Schyven aus Brüssel, der die belgische Werkstatt von Joseph Merklin übernahm nach dessen Übersiedlung nach Frankreich. Es ist zweifellos ein Meisterwerk des belgischen Orgelbaus im ausgehenden 19. Jahrhundert.

 

Die Kathedrale von Antwerpen verdankt ihre Orgel einer Spende von Mademoiselle Eugenia Kempeneers, einem treuen Gemeindemitglied, das die fürstliche Summe von 150.000 Francs für die Anschaffung einer neuen Pfeifenorgel hinterließ. Man nominierte rasch eine Komission von fünf Fachleuten. Zu dieser Expertenrunde gehörten der Domorganist Joseph Callaerts, sein Bruder François, der Dommusikdirektor, der Komponist und Organist Edgar Tinel, ein Bruder der Abtei von Averbode, und der Musikwissenschaftler Ritter Léon de Burbure.

 

Die Expertenkomission bat um ein Angebot von Cavaillé-Coll, aber auch von dem belgischen Orgelbauer Pierre Schyven und der deutschen Firma Walcker & Cie. Den Orgelbauern wurde genehmigt, die Wiederverwendung der Pfeifen des bisherigen Instrumentes (III/48) einzuplanen, sofern sie dies wünschten. Das neue Instrument sollte in das existierende Orgelgehäuse von 1657 gebaut werden, ein Meisterwerk mit zahlreichen Skulpturen von Peter Verbrugghen dem Älteren (1615-1668) nach einem Entwurf von Erasmus Quellin (1634-1657).

 

Drei Orgelkommissionsmitglieder stimmten schließlich zugunsten Schyvens, zwei zugunsten Cavaille-Colls (sehr wahrscheinlich die Callaerts-Brüder).

 

Die Klangästhetik der Instrumente von Schyven ist deutlich von der französischen Symphonik inspiriert; jedoch sind die Zungenregister ein wenig zurückhaltender, während die Grundstimmen von Schyven im Ton runder und feiner sind. Der Tutti-Klang der Schyven- Orgel ist weniger mächtig als jener der großen Cavaillé-Coll-Orgeln, dafür bietet sie eine Fülle poetischer 8’-Register auf allen Werken.

 

Das Instrument hat sich über den Lauf der Jahre quasi in seinem Originalzustand erhalten, einmal abgesehen von der Quintade 16‘ im Positiv und verschiedenen Anpassungen des Windsystems beim Einbau eines neuen elektrischen Gebläses Anfang der 1970er Jahre.

 

Als problematisch wurde von Beginn an die sehr kompakte Aufstellung angesehen, die die Klangabstrahlung teilweise beeinträchtigte. Aber vor allem das Abschlagen der Wandverputz im Zuge der Restaurierung der Kathedrale und der jetzt bloß liegende offenporige Stein haben der Orgel Kraft genommen.

 

Im Zuge der jetzigen vollständigen Restaurierung des Instrumentes durch Orgelbau Schumacher, der ersten Restaurierung überhaupt seit dem Bau der Orgel, wurden deshalb verschiedene Maßnahmen durchgeführt um dies zu verbessern. So wurde das bisher völlig  hinter dem schwellbaren Positiv liegende und nur mit seitlichen Jalousien ausgestattete Récit zwei Meter höher gelegt und erhielt eine Reihe Schwellflügel an der Vorderseite. Das darunter liegende Bombardwerk des 4. Manuals hat so gleichzeitig wesentlich mehr Raum zur Klangentfaltung.

 

Das Gehäuse mit den massiven Schnitzereien wurde um 115 cm nach vorne versetzt wodurch zwischen Pfeifenwerk und Gehäuse genügend Raum für die Klangabstrahlung von Grand Orgue und Positiv geschaffen wurde.

 

Die Windanlage wurde auf den Originalzustand zurückgeführt

 

Die Restaurierungsarbeiten werden voraussichtlich im Frühjahr 2017 abgeschlossen sein.

 

Disposition

Positif Expressif I 

 

Quintaton 16'

Octave 8'

Flute harmonique 8'

Bourdon 8'

Melophone 8'

Viole de Gambe 8'

Gemshorn 8'

Prestant 4'

Flute 4'

Quinte 2 ⅔'

Doublette 2'

Larigot 1 '

Fourniture IV

Ophicleide 16'

Trompette harmonique 8'

Cor anglais 8'

Voix angelique 8'

Clarinette 8'

Cromhorn 8'

Clairon harmonique 4'

 

Grand Orgue II

 

Montre 16'

Bourdon 16'

Gambe 16'

Montre 8'

Diapason 8'

Bourdon 8' 

Flute harmonique 8'

Salicional 8'

Viole de gambe 8'

Quinte 5 '

Prestant 4'

Melophone 4'

Flute octaviante 4'

Nasard 2 '

Doublette 2'

Fourniture VI – VII

Cornet V

Bombarde 16'

Trompette 8'

Clairon 4'

 

Récit Expressif III

 

Bourdon 16'

Unda maris 16' 

Diapason 8'

Bourdon 8'

Flute travers 8'

Violon 8'

Dolciana 8'

Voix celeste 8'

Flute octaviante 4'

Gambe 4'

Flageolet 2'

Piccolo 1'

Plein jeu IV

Carillon II

Basson 16'

Trompette harmonique 8'

Basson hautbois 8'

Voix humaine 8'

Clairon harmonique 4'

 

Bombarde IV

 

Flûte 16'

Principal 8'

Bourdon 8'

Grosse flûte 8'

Gambe 8'

Prestant 4'

Flûte 4'

Grosse Tierce 3 ⅕'

Octavin 2'

Gros Nazard 2 ⅔'

Cymbale V – VI

Cornet V

Bombarde 16'

Trompette 8'

Clairon 4'

 

Pédale

 

Contrebasse 32'

Contrebasse 16'

Sousbasse 16'

Grosse flute 8'

Quinte 10 ⅔'

Octave basse 8'

Violoncelle 8'

Quinte 5 ⅓'

Octavin 4'

Flute 4'

Nazard 2 ⅔'

Contre-bombarde 32'

Bombarde 16'

Trompette 8'

Trompette quinte 5 ⅓'

Clairon 4'

 

Ort
Antwerpen (B)
Baujahr
1891 / 2017
Erbauer
Pierre Schyven / Guido Schumacher
Disposition
IV – P, 90